Geistlicher Missbrauch - Emotionale Gewalt in der Kirche!

Geistlicher Missbrauch – 

Emotionale Gewalt in der Kirche!

Was ist geistlicher Missbrauch? Geht das überhaupt? Können Menschen mit den Wahrheiten der Bibel missbraucht werden?  - JA! Geistlicher Missbrauch existiert!

Geistlicher Missbrauch kann in jeder Kirche, Gemeinde und christlicher Gemeinschaft vorkommen, völlig unabhängig davon, in welche Richtung diese Kirche oder Gemeinde geht. Ob es sich dabei um eine Landeskirche oder um eine charismatische Freikirche handelt, ist egal. Allerdings zeigt die Statistik, dass diese Form von Missbrauch überwiegend in Freikirchen zu finden ist. Je charismatischer sie geprägt ist, desto häufiger finden sich missbräuchliche Strukturen vor.
Ich war selbst viele Jahre Opfer von geistlichem Missbrauch. Diese Jahre haben mich so sehr geprägt, dass ich nach meinem Austritt aus der Freikirche, in der das passiert ist, komplett alleine dagestanden bin.
Dem Irrglauben aufgesessen, dass Freunde außerhalb der Kirche niemals echte Freunde sein können, habe ich fast alle Kontakte abgebrochen gehabt. Ich war dort in der Versenkung verschwunden und habe niemanden an mich herangelassen. Nur die Menschen, die ebenfalls Teil dieser Gemeinschaft waren. Und genau das war mein größter Fehler!

 

Das Prinzip: geködert, gefangen, geopfert!

In den letzten Jahren habe ich mich sehr intensiv damit beschäftigt, wie es eigentlich passiert, dass Menschen in so etwas geraten. Wie kann es sein, dass geistig völlig gesunde Menschen jeglichen Verstand ausschalten und sich solchen Strukturen unterwerfen? Und das auch noch freiwillig? 

Im Prinzip funktioniert das in solchen Kirchen genauso, wie in einer Sekte. 

1.    Ködern

Du bist neugierig und möchtest dir das mal anschauen. Denn deine Nachbarin, dein Arbeitskollege oder einst mal gute Freundin geht dort hin. Dein erster Eindruck ist unglaublich positiv. Tolle Lieder, emotionaler Lobpreis, eine mitreißende Predigt. Nach dem Gottesdienst wirst du von den Menschen dort freundlich begrüßt und zum nächsten Gottesdienst eingeladen. Dir hat es gefallen, deine Emotionen laufen auf Hochtouren und du fühlst dich wie im siebten Himmel. Also gehst du wieder hin. Und wieder und wieder und wieder. Und dann nach ein paar Wochen wirst du in den Hauskreis oder die Kleingruppe eingeladen. Denn dort hast du die Möglichkeit, mit einigen wenigen Mitgliedern der Gemeinde in engeren Kontakt zu kommen und Freundschaften aufzubauen. Das ist ja erstmal eine gute Sache. So lernst du die Menschen gleich viel besser kennen. Deine Fragen werden beantwortet und du hast das Gefühl dazuzugehören.

2.    Gefangen – Die Falle schnappt zu!

Bist du erst einmal Teil der Gemeinde geworden, schnappt die Falle zu. So habe zumindest ich mich gefühlt. Denn ein Entkommen ist nahezu nicht mehr möglich.
Ein „Ausflug“ in eine andere Kirche wird als „Fremdgehen“ bezeichnet, du musst dich regelmäßig dafür rechtfertigen, was du unter der Woche so machst. Zuerst merkst du das nicht einmal, weil die Fragen so geschickt gestellt werden, dass du sie einfach nur als Interesse an deinem Leben wahrnimmst. Erst, als du von anderen darauf angesprochen wirst merkst du, dass hier etwas nicht stimmt. Doch dann ist es zu spät. Bis es zu diesem Punkt kommt, hast du schon einem Teil deiner alten Freunde den Rücken gekehrt und dein Leben grundlegend geändert. Alles so, dass es der Gemeindeleitung passt. Denn schließlich willst du dazugehören. 

3.    Geopfert!

Warum geopfert? Weil die Menschen, die dich dazu missbrauchen, nach ihren Vorstellungen zu funktionieren, genau das tun: sie opfern dich, um sich selbst gut zu fühlen. Und je mehr Menschen nach ihren Vorstellungen geformt werden, desto besser fühlt sich die Leiterschaft.

In der Versenkung verschwinden – die einzige Lösung?

Nachdem ich mich nach mehreren Jahren endlich getraut habe, aus dieser Kirche auszutreten war der einzige Weg, den ich noch gesehen habe, in der Versenkung zu verschwinden. Ich habe meine Sachen gepackt und bin von heute auf morgen untergetaucht. Es waren nur sehr wenige Menschen, wie meine Eltern und zwei meiner engsten Freundinnen (die jedoch nicht in dieser Gemeinde waren!) die wussten, wo ich mich aufgehalten habe. Zu allen anderen habe ich den Kontakt ohne Begründung abgebrochen und war einfach weg.
Damals war das die einzige Lösung, die ich gesehen habe. Denn nach meinem Austritt aus der Gemeinde wurde ich verfolgt, mit Telefonanrufen terrorisiert und immer wieder gedemütigt. Es wurden Lügen über mich verbreitet, um andere Noch-Mitglieder von mir fernzuhalten. Als ich bei meinem damaligen Freund, jetzt Ex-Mann, eingezogen bin, habe ich mich von diesem Tag an nicht mehr mit meinem eigenen Namen am Telefon gemeldet.

Wie sehe ich das jetzt? Mit Abstand? 
Heute weiß ich, dass es durchaus auch andere Möglichkeit gegeben hätte. Ich bin mir sicher, dass es Menschen in meinem Leben gab, die nach wie vor für mich dagewesen wären, wenn ich mich ihnen geöffnet hätte. Das Blöde ist nur, dass genau dieser Schritt bereits im Vorfeld verhindert wird. Ich war so verängstigt, dass ich niemandem mehr vertraut habe. Woher konnte ich denn wissen, ob man mir Glauben schenken würde? 
Die Antwort ist simpel: Ich konnte es nicht wissen! Woher auch. Ohne mit den Leuten zu sprechen, wusste ich nicht, ob sie mir glauben würden. Also bin ich weggelaufen. Und heute kann ich mit Bestimmtheit sagen, dass das zwar vermutlich die völlig falsche Lösung war, jedoch auch die einzige Möglichkeit, die ich damals gesehen habe.

 

Endlich bin ich frei!

Es hat viele Jahre mit sehr vielen Auf und Abs und einigen Gemeindewechseln gedauert, bis ich den Schritt geschafft habe, mein Schweigen endlich zu brechen. Erst die Geschichte einer Frau, die von den gleichen Erfahrungen berichtet hat, hat mich wachgerüttelt. Ich habe sie im Internet gesucht, gefunden und ihr geschrieben. Und sie hat mir geholfen. Sie hat mir zugehört, meine E-Mails beantwortet und mir Mut zugesprochen. Diese Frau war maßgeblich daran beteiligt, dass ich den Schritt, mich wieder zu öffnen und Gott noch eine letzte Chance zu geben, geschafft habe.
Jetzt bin ich frei. Frei darin, offen über meine Erfahrungen zu reden. Frei darin, davon zu erzählen, wie Missbrauch mein Leben bestimmt hat. Frei darin, über meinen Weg aus der Spirale des Missbrauchs auszubrechen. Und frei darin, anderen Betroffenen Mut zuzusprechen und dabei zu helfen, wieder zurück in ein selbstbestimmtes Leben zu finden. Ich habe eine Gemeinde gefunden, in der ich wachsen darf und so genommen und geliebt werde, wie ich bin. Ohne Zwang, ohne Druck, ohne Vorurteile.
Und genau das wünsche ich dir auch. Von ganzem Herzen. 

 

Nicht alles, was dir nicht passt, ist Missbrauch!

Es kommt auch immer wieder vor, dass mit dem Begriff „geistlicher Missbrauch“ wiederrum Missbrauch betrieben wird. 
Denn nicht jeder Leiter, der ein Gemeindemitglied auf seine Fehler anspricht und ihn zurechtweist, betreibt automatisch Missbrauch. Für dich ist es wichtig zu lernen, bibeltreue Leiterschaft von geistlichem Missbrauch zu unterscheiden. In der Bibel steht, dass wir uns gegenseitig korrigieren sollen. Das ist für dich und dein Leben unheimlich wichtig. Und nicht nur für dich. Sondern für jeden Christen. Jedoch sollte diese Korrektur niemals dazu dienen, dass sich eine Person dadurch besser fühlt.
Jesus hat immer liebevoll korrigiert und niemals zu seinem Vorteil. Das wünscht er sich für dich auch. Eine liebevolle Unterstützung, um im Glauben wachsen zu können und zu einem geistlich reifen Menschen zu werden. 

Fragen, Anregungen oder einfach nur neugierig auf meine ganze Geschichte? Du darfst mir gerne schreiben oder in meinen Büchern nachlesen, wie Jesus mir geholfen hat, ein Leben in Freiheit zu leben. 

 

Deine

 

Melanie 

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  • Ich freue mich für dich

    Liebe Melanie,
    ich freue mich sehr für dich, dass du den Mut hattest diesen Schritt zu gehen.
    Mich gesucht und gefunden hast und dass ich dir weiterhelfen konnte.
    Gott ist am Werk, er holt seine Kinder aus der Tiefe des Missbrauchs, heilt sie und stellt sie wieder her.
    Es war mir eine Herzensangelegenheit und Wunsch dir zu helfen, so wie schon vielen Menschen zuvor.
    Gebe das bitte auch weiter, wenn sich Menschen an dich wenden und Hilfe brauchen.
    Ich finde deine Seite toll und bete, dass sie für viele Menschen eine Anlaufstelle wird und hier missbrauchten Menschen wieder Mut, Hoffnung und Glaube zugesprochen wird, den sie für ihre verwundeten Seelen brauchen.
    Ich werde sicherlich häufiger vorbeischauen.
    Liebe Grüße und Gottes Segen.
    Heidi

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